Beziehen Sie Ihren Partner ein

Während einiger Zeit – sie war noch keine zwei Jahre alt – litt meine Kleine unter Verstopfung. Eines Abends weinte sie ganz fürchterlich. Ich hatte getan, was ich konnte, aber vergeblich. Irgendwann rief ich meine Mama an. Sie meinte, sie hätte etwas, das todsicher helfen würde, ich solle es doch rasch holen kommen. Nun, das hiess, dass ich sicher fünfzig Minuten weg sein würde. Ich entschloss mich zu gehen und liess meinen Mann mit dem schreienden Kind zurück. Ich war fix und fertig. Ich raste zu meiner Mama und wieder zurück und dachte die ganze Zeit an die arme Kleine und in welchem Zustand ich sie wohl vorfinden würde. Schon als ich durch die Garage das Haus betrat, wunderte ich mich, dass es so still war. Ich ging nach oben und da waren die beiden. Mein Mann sass auf dem Sessel, sah sich die Tagesschau an und schälte Spargeln, während die Kleine friedlich neben ihm auf dem Teppich spielte. Was für ein Idyll! Ich brachte es kaum je fertig, mich hinzusetzen und die Nachrichten zu gucken, weil die Kleine mich ständig auf Trab hielt. Und die beiden…!

Oft ist es ja so, dass sich der Partner durchaus um das Kind kümmern würde, dass wir ihn aber nicht lassen, weil wir denken, wir können es besser. Oder wenn er sich kümmert, dann bringen wir ihn mit unseren Gratistipps zur Weissglut, bis ihm die Freude vergeht. Dabei ist es wichtig, dass er sich von Anfang an um das gemeinsame Baby kümmert, damit die beiden gegenseitig eine Beziehung aufbauen können. Wenn Ihr Partner mit dem Neugeborenen am Anfang ein bisschen unbeholfen ist, dann haben Sie etwas Geduld und Verständnis. Mit Ihrer liebevollen Unterstützung wird er den Dreh schon finden.

Wenn ich zuhause bin, bin ich meistens Anlaufstelle Nummer eins. Ich kann dann lange sagen, spiel doch was mit Papa, die Kleine zieht es vor, mit mir etwas zu machen. Naja, und dann bringe ich es nicht fertig, sie zu enttäuschen. Aber wenn ich nicht da bin, verbringen die Kinder eine wunderbare Zeit mit ihrem Vater. Also kommt es vor, dass ich sage, ich müsse noch ein bisschen arbeiten gehen – das ist akzeptiert –, und in Tat und Wahrheit nutze ich diese Zeit, um etwas für mich zu tun. So bin ich oft, während ich an diesem Buch gearbeitet habe, mit dem Auto ins Grüne gefahren, bewaffnet mit dem Laptop, einer Tasse Kaffee und Keksen, und habe dort je nach Wetter entweder im Auto oder halt draussen geschrieben. Ich habe das total genossen und mein Mann kümmerte sich während dieser Zeit um die Kinder, vor allem die Kleinste, die Grossen können sich schon lange selber beschäftigen.

Wenn der Rollenwechsel mit Ihrem Partner nicht automatisch von statten geht, dann vereinbaren Sie mit ihm feste Zeiten, während derer er sich um die Kinder kümmert und nutzen Sie diese Zeit für sich oder erledigen Sie, was erledigt werden muss.

Um Missverständnissen oder unschönen Diskussionen vorzubeugen, ist es gut, wenn Sie über das Thema der Kinderbetreuung schon sprechen, bevor Sie überhaupt schwanger werden. Wer weiss, vielleicht entpuppt sich Ihr Partner als totaler Macho, der die Mutter seiner Kinder nur in der klassischen Hausfrauenrolle sieht und dann haben Sie zumindest die Chance, das Ganze noch einmal zu überdenken.

Anderseits leben wir heute in einer ganz anderen Welt – zumindest in der westlichen – und es ist in vielen Familien völlig normal, dass man sich die Elternrolle echt teilt. Was gibt es denn auch Schöneres, als die Freuden, die Sorgen und die Liebe zu den gemeinsamen Kindern zu teilen.

Und noch etwas Letztes. Wir Frauen haben oft das Gefühl – ich nehme mich da nicht aus -, unser Partner müsse merken, wenn wir etwas brauchen, etwa Unterstützung und Hilfe bei der Bewältigung von Haushalt, Kindern und Beruf. Aber Männer haben die unglaubliche Gabe, das nicht zu merken. Und es ist nicht so, dass sie bloss so tun, als merkten sie es nicht, sie merken es wirklich nicht. Seien Sie also nicht zu stolz, Ihren Partner ganz konkret um Hilfe zu bitten – und tun Sie es rechtzeitig, wenn Sie Ihren Partner noch mit normaler Stimme ansprechen können, und nicht erst, wenn Sie so total am Anschlag sind, dass Sie ihn nur noch anschreien können.

 

Best Mama in Kürze

  • Beziehen Sie Ihren Partner von Anfang an in die Kinderbetreuung mit ein und ermöglichen Sie es ihm so, eine enge Beziehung zum gemeinsamen Kind aufzubauen.
  • Haben Sie Geduld und helfen Sie kameradschaftlich, wenn Ihr Partner am Anfang vielleicht noch etwas unbeholfen ist, er schafft das schon.
  • Teilen Sie sich die Elternrolle und legen Sie feste Zeiten fest, während derer sich Ihr Partner um die Kinder kümmert.
  • Männer haben die Gabe, es echt nicht zu merken, wenn wir Frauen überfordert sind und Unterstützung benötigen. Seien Sie daher nicht zu stolz, Ihren Partner rechtzeitig und in freundlichem Ton um Hilfe zu bitten, wenn Ihnen die Dinge über den Kopf wachsen.
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