Was macht die beste Mama der Welt aus

 

Dies ist kein Buch über Kindererziehung. Dennoch möchte ich Ihnen nachfolgend einige Tipps und Erfahrungen weitergeben.

1 Lieben Sie Ihr Kind

Darauf wären Sie nicht gekommen, nicht wahr? Nun legen Sie das Buch nicht gleich zur Seite. Ich weiss auch: Welche Mutter liebt ihr Kind nicht.

Und dennoch möchte ich ein paar Dinge dazu sagen, denn dieser erste Punkt ist der Allerwichtigste und steht hoch über allen anderen. Tatsächlich ergibt sich alles andere aus ihm.

Wie wir schon sagten, welche Mutter liebt ihr Kind nicht. Aber geben Sie das Ihrem Kind auch zu spüren und sagen Sie es ihm. Wenn es noch klein ist, sagen Sie es ihm immer wieder. Machen Sie ein Spiel daraus: Weisst du was? Mama hat dich sooooooo lieb! Und dann nehmen Sie es in die Arme. Wenn Ihr Kind schon grösser ist, dann nerven Sie es nicht mehr damit, Sie merken selbst, wenn Sie damit nicht mehr landen. Aber ab und zu, vielleicht vor dem Einschlafen oder wenn es sonst einen intimen Moment zwischen Ihnen beiden gibt und niemand dabei ist, dann erinnern Sie ihr Kind oder Ihren Teenager wieder daran. Sagen Sie ihm, dass Sie ihn zwar nicht mehr so oft umarmen, dass Sie ihn aber noch genauso lieben wie früher.

Das tut Ihrem Kind gut, auch wenn es gerade in einer coolen Phase ist, wo es das selbstverständlich nie zugeben würde. Sagen Sie es immer mal wieder, auch wenn Sie sich angesichts des Verhaltens oder der Reaktion Ihres Teenagers lächerlich oder unpassend vorkommen. Es ist noch nicht lange her, da haben Sie ihr Kind an der Hand gehalten und in den Kindergarten oder die Schule begleitet. Natürlich ist es grösser geworden und die Manieren lassen zu wünschen übrig, aber es ist noch lange nicht erwachsen.

2 Lieben Sie Ihr Kind bedingungslos

Das Gefühl, geliebt zu werden, und zwar bedingungslos, ist das wertvollste Geschenk, das Sie Ihrem Kind machen können.

Ich war selber überrascht, wie viele meiner Coaching Klientinnen und Klienten,  die an sich in guten Verhältnissen aufgewachsen sind, davon gesprochen haben, dass sie unter permanentem Liebesentzug gross geworden sind. „Wenn du jetzt nicht brav bist, dann hat dich Mama nicht mehr lieb.“ – „Wie soll ich dich lieb haben, wenn du so schlechte Noten von der Schule heim bringst.“  – „So ein böses Kind kann Mama nicht gern haben.“ Solche Aussagen sind ganz schlimm. Natürlich dürfen Sie Ihrem Kind sagen: „Das ist nicht richtig, was du da gemacht hast. Ich möchte nicht, dass du so etwas nochmals tust.“ Aber verknüpfen Sie es nie mit der Androhung, dass Sie Ihr Kind deswegen nicht mehr lieben. Jedes Kind soll um seiner selbst willen geliebt werden und nicht wegen irgendeines Tuns oder Nichtstuns. Wenn Sie das konsequent beherzigen, verankern Sie in seinem Bewusstsein und in seinem Unterbewusstsein das Gefühl, dass es liebenswert ist. Daraus erwächst eine gesunde Selbstliebe. Wir alle kennen die Aussage Jesu: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Dies bedingt aber, dass wir erst einmal uns selbst annehmen und lieben, so wie wir sind. Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun, sondern mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Wenn Sie durch Ihre bedingungslose Liebe also Ihrem Kind den Weg weisen, sich selbst zu lieben, haben Sie schon unheimlich viel erreicht. Es wird ihm als Erwachsener, wenn Ihre schützende Hand nicht mehr da ist, dann viel leichter fallen, mit schwierigen Situationen fertig zu werden und gestärkt daraus hervorzugehen. Es gibt genügend Bücher für Erwachsene, in denen aufgezeigt wird, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben und anzunehmen, und dass nur derjenige, der sich selbst liebt, auch fähig ist, anderen Menschen Liebe zu schenken. Nun, diese Bücher braucht Ihr Kind dann schon einmal nicht mehr.

3 Bauen Sie ein gesundes Selbstvertrauen auf

Ich glaube, alle Eltern loben Ihr Kind, wenn es selbständig die ersten Schritte macht, auf’s Töpfchen geht oder die ersten Malkünste zeigt. Zum Glück. Offenbar fällt das bei Kleinkindern allen relativ leicht. Wir sollten es aber auch beibehalten, wenn unser Kind älter wird. Immer, wenn uns auffällt, dass es etwas gut gemacht hat, dürfen wir darauf reagieren, indem wir positives Feedback geben. „Danke, dass du deine Schuhe versorgt hast“, „super deine gute Note in Deutsch“ oder „lieb, dass du daran gedacht hast“. Und gar nicht vergessen zu loben dürfen wir unsere Teenager, auch wenn es vielleicht Zeiten gibt, in denen wir nicht viel Positives zu finden meinen. Sagen Sie Ihrem Teenager, dass er cool aussieht, dass Ihnen sein neues T-Shirt gefällt oder dass Sie es toll finden, wie er einem Kollegen hilft oder was halt gerade aktuell ist. Wichtig ist, dass Ihr Feedback echt ist. Sie können es im Übrigen noch verstärken, indem Sie es begründen: „Super, dass du einkaufen warst, du hast mir damit total aus der Patsche geholfen.“  Also, lassen Sie genau jetzt mal alles beiseite, das Ihnen an Ihrem Teenager im Moment nicht passt und zählen Sie drei Dinge oder Eigenschaften auf, die Ihnen gefallen.

Ganz schlimm finde ich Eltern, die meinen, sich mit ihren eigenen Kindern messen zu müssen oder zu beweisen, dass sie immer noch besser, schneller oder was auch immer sind, sei dies intellektuell oder im Sport. Ich habe genügend Selbstbewusstsein, um mich darüber zu freuen, wenn meine Kinder gewisse Dinge bereits heute besser können als ich. Ich gebe das jeweils auch ganz offen zu und dann sind sie unheimlich stolz. Wenn das nicht das Selbstbewusstsein stärkt!

Generell versuche ich, das Augenmerk auf die guten Eigenschaften der Kinder zu richten und nicht auf die schlechten. Damit erreiche ich, dass die schlechten Eigenschaften keine Energie erhalten und so viel eher verkümmern als wenn ich mich ständig mit ihnen befasse. Klar gebe ich den Kindern zu verstehen, dass ich etwas aus diesem oder jenen Grund nicht gut finde, aber damit hat es sich dann auch. Und ganz bestimmt nörgle ich nicht die ganze Zeit an ihnen herum.

Wir waren kürzlich mit Freunden auf einem kleinen Boot. Sie hatten ihre beiden Kinder im Alter von fünf und neun Jahren dabei. Ich mag die Freunde, aber am Abend habe ich mich gefragt, wie die Kinder das aushalten. Der Vater ermahnte sie ständig: „Achtung, nicht die Hände am Bootsrand halten, Kopf runter, was machst du denn jetzt schon wieder…, habe ich dir nicht gesagt, du sollst nicht…, nein, das kannst du jetzt nicht haben… , jetzt hast du mein T-Shirt nass gemacht…, wieso willst du jetzt nochmals baden, es ist viel zu kalt.“ So ging das den ganzen Tag. Und die Kinder waren lieb, die hatten gar nichts Böses gemacht, und wenn sie nochmals baden wollten, warum denn nicht, wir standen nicht unter Zeitdruck.

Ich denke, wir müssen unseren Kindern genügend Freiraum geben, damit sie sich entfalten können oder um einfach nur zu sein. Setzen Sie Leitplanken, aber vermeiden Sie zu viele Verbote. Weniger ist mehr!

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